Der Hammer ist ein historischer Roman. Joseph Hammer, Protagonist des Buches, hat einen Lebenstraum: Er möchte Dolmetscher werden. Dafür lernt er die Sprachen des Orients. Die Ausbildung zum
Sprachknaben absolviert er zu Hofe in Wien, der schrecklich stinkenden, lauten Stadt.
Die ersten Seiten sind eine Qual zum Lesen und das ist dem anschaulichen Schreiben Dirk Stermanns geschuldet. Das unappetitliche Wien wird ins Detail geschildert, die Gerüche steigen einem in die
Nase und der Text löst einen Fluchtinstinkt aus. Wie verlockend scheinen da die Länder des Orients mit Badeanstalten und Körperhygiene!
Joseph wird nach Jahren der Ausbildung nach Konstantinopel entsandt, wo er Teilnehmer und Opfer der politischen Machenschaften wird. Er ist Zeuge von Napoleons Aufstieg und Fall, doch vom eigenen
Aufstieg kann er weiterhin nur träumen. Er möchte Geschichte schreiben, Teil des Geschehens sein, doch findet er seinen Platz nicht.
Die sorgfältige Recherche Stermanns wird einem beim Lesen bewusst, Joseph Hammers, dem glücklosen Vorbild des Buches, Tagebücher waren ihm reichhaltige Quelle. Selten habe ich so viel über eine
Zeit gelernt, so plastisch die Gegebenheiten wahrgenommen, ohne mich belehrt zu fühlen. Ich habe mit Hammer mitgefiebert, mich beim Lesen geekelt und geärgert, ich habe auf ein bisschen Glück
gehofft - ich habe beim Buch eindeutig mitgelebt.
Der Hammer, Dirk Stermann
448 Seiten
erschienen im September 2019 beim Rowohlt Verlag
ISBN: 978-3-499-27427-5


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